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Svetvinčenat

Koordinaten: 45° 5'14.68"N, 13°52'59.01"E

Ein wenig lästig, weil verwirrend: Die Machtverhältnisse in Istrien ab dem 9. Jhdt bis etwa 1797.
Beteiligte Herrscher: Die Patriarchen von Aquileia, Die Bischöfe von Poreč, die Familie Castropola, der Markgraf von Istrien (Pazin), die Venezianer, die Habsburger.
Im 9. Jhdt gründeten Benediktiner eine Abtei, die sie St. Vinzent weihten. Im Laufe der Zeit kam die Abtei unter die Herrschaft der Bischöfe von Poreč, was 1177 vom Papst bestätigt wurde. 1209 griffen die Patriarchen von Aquileia, wie auch in Bale, nach dem Städtchen und übergaben es 1250 der Familie Castropola aus Pula. Diese fielen aber irgendwie in Ungnade und mussten 1331 Pula verlassen. Aber schon 1305 verließen die Benediktiner die Abtei, die von den Tempelrittern bezogen wurde. 1312 wurde aber diese Eliteeinheit vom Papst aufgelöst und Svetvinčenat war bei den Bischöfen von Poreč.
Die Einwohner von Pula und Svetvinčenat hatten entschieden, sich Venedig anzuschließen. Aber die Castropola gaben keine Ruh. Irgendwo waren die ja noch, nur nicht mehr in Pula. Sie verbündeten sich mit den Patriarchen und wollten Svetvinčenat wieder haben.

1348 kam es zum Krieg der Castropola gegen die Venezianer – ein aussichtsloses Unterfangen. Sie wurden aus allen venezianisch dominierten Gebieten verbannt. Aber nach zehn Jahren wurde das Verbot wieder ein wenig aufgelockert. Fulcherio Castropola durfte in Svetvinčenat leben und Fiorino Castropola in Dvigrad.

Die Schwester von Fulcherio heiratete den Venezier Andrea Morosini und hatte zwei Kinder: Giacomo und Leonardo. Sie wurden Nachfolger des kinderlosen Fulcherio.

1374 fielen Svetvinčenat und andere Teile Istriens an die Habsburger und also unterstanden die Morosini nun den Habsburgern. 1385 verkauften diese das Städtchen an den Grafen von Duino, der es 1388 gleich an den Graf von Kršan weitergab. Nun klärten die Bischöfe von Poreč die Lage und den Morosinis wurde der Besitz zugesichert.
Um 1420 versuchten die Patriarchen mit Unterstützung des ungarischen Königs ihr Glück. Das ging aber schief. Dann mischte 1470 wieder ein österreichischer Erzherzog mit und kaufte Svetvinčenat samt Morosinis dem Grafen von Duino ab, der offensichtlich wieder mit dabei war. Das Versprechen der Bischöfe von Poreč war also nichts wert.

1515 kamen die Venezianer und besetzten Svetvinčenat und kauften es den Österreichern ab. Die Morosinis lebten immer noch hier, hatten dann aber keine männlichen Nachfolger. Zwei Morosini-Schwestern heirateten dann 1560 zwei venezianische Brüder aus San Luca, Ermolao und Marino Grimani. Seither spricht man auch vom Morosini-Grimani-Palast. Die Grimanis waren eine mächtige Familie, stellten sie doch einen Dogen von Venedig und mehrere Patriarchen von Aquileia. Das ist eine Verwandtschaft!

Nach dem Fall von Venedig 1797 verkauften die Morosinis die Burg an die Bischöfe von Poreč. Dann wurde Svetvinčenat endgültig habsburgisch.

 
Der Morosini-Grimani-Palast
 
Das Portal zur Burg in der man sich in den Sommermonaten im Bogenschießen üben kann.
 
Blick von der großen Zisterne auf den Platz mit der Kirche
 
Das dringlichst der Renovierung bedürftige Haus im Renaissance-Stil am Stadt-Platz
 
Etwas außerhalb liegt die Kirche Sv. Katharina. Naturgemäß ist sie geschlossen und man kann lediglich durch die Fenster einen Blick auf die darin befindlichen Fresken werfen.
 
Naja, recht viel kommt dabei aufgrund der Spiegelungen der Fensterscheibe nicht heraus.
 
Spannend wird es im Sommer, wenn anlässlich des Mittelalter-Festes das Trebuchet, eine mittelalterliche Wurfmaschine zum Einsatz kommt.
 
Drei Tage lang wird hier auf dem Gradski trg eine unterhaltsame Show geboten.
 
Da treten die Grimanis wieder auf, interessante Kostüme können bestaunt werden.
 
Aufnahmen: 22.03. und 06.08.2016